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Griechenland-Krise: Keine Entwarnung in Sicht

Jüngst machte das Euro-Krisenland Griechenland massenmedial wieder auf sich aufmerksam. Die Rückkehr der Griechen an den Kapitalmarkt sorgte für exzellente Stimmung bei den Eurokraten. Erstmals seit dem Jahr 2014 konnte das klamme Krisenland wieder den Kapitalmarkt anzapfen und drei Milliarden Euro mit der Emission einer Anleihe mit der Laufzeit von fünf Jahren vereinnahmen.

In dem Kontext sprach der Währungskommissar der EU, Pierre Moscovici, wortwörtlich von einer „spektakulären Besserung“ der Lage. Selbst aus Berlin kam Lob. Und zwar vom obersten Kassenwart, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, höchstpersönlich.

Draghi relativ skeptisch

Angesichts dieser Nachrichtenlage müssten ja eigentlich beim mächtigsten Mann der Eurozone, bei Mario Draghi, die Champagnerkorken knallen. Und es ist schon verwunderlich, dass sich ausgerechnet der EZB-Boss nicht in die Jubel-Schar über das griechische Comeback einreiht. Der Italiener gab erst jüngst zu Bedenken, dass er Zweifel an der Tragfähigkeit der griechischen Schulden haben würde. An der Stelle sei auch betont, dass griechische Anleihen bis zum heutigen Tage nicht im Rahmen der diversen Kaufprogramme der EZB gekauft werden.

Realwirtschaftliche Depression

Der schöne Schein der Jubelarien der Eurokraten und die harte realwirtschaftliche Realität im Krisenland sind leider zwei verschiedene Paar Stiefel. Erst jüngst wurde mir von einem Bekannten, der seinen Urlaub im Krisenland verbrachte, erzählt, dass die „spektakuläre Besserung“ bei der normalen Bevölkerung nicht wirklich angekommen ist. Im Gegenteil, die Bevölkerung leidet nach wie vor massiv unter der Dauerkrise. Die Lage am Arbeitsmarkt ist und bleibt weiter extrem schwierig. Vorsichtig und höflich formuliert.

Mittelalterliche Verhältnisse am Arbeitsmarkt

Der subjektive Eindruck meines Bekannten dürfte mit Blick auf die reale Lage der normalen Griechen wohl eher zutreffend sein als das Wunschdenken der Eurokraten. Eine jüngst veröffentlichte Studie des emeritierten Professors Rompolis von der Panteion-Universität in Athen offenbart eindrucksvoll den desaströsen Zustand des griechischen Arbeitsmarkts. In dem Kontext kann man sehr wohl von einem Albtraum für die Menschen sprechen. Anscheinend sind bei den Hellenen mittelalterliche Verhältnisse zur neuen normalen Realität geworden.

Beispiele gefällig? Aus der Studie geht hervor, dass sich viele Griechen mittlerweile als Tagelöhner mit einem Tageslohn von maximal 15 Euro verdingen. 38% der Arbeitnehmer des Krisenlandes erhalten nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn. Und last but not least sind 20% der Arbeitnehmer ohne jegliche sozialversicherungsrechtliche Absicherung beschäftigt.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass es vielen Griechen nach wie vor sehr schlecht geht und die Dauerkrise keinesfalls überwunden ist. Lassen Sie sich nicht von den offiziellen Aussagen der Eurokraten täuschen!

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