Produkt Logo

Bundesbank warnt vor Verwundbarkeit des deutschen Finanzsystems

Noch immer ist die Reputation der Deutschen Bundesbank relativ gut. Sicherlich, der Ruf der Bundesbank war zu D-Mark-Zeiten fast schon legendär. Nichtsdestotrotz finden die Aussagen der Bundesbanker bis zum heutigen Tage international Gehör.

Verwundbarkeit des deutschen Finanzsystems

In der vergangenen Woche veröffentlichte die Bundesbank ihren jüngsten Bericht zur Finanzstabilität in Deutschland. Die Ökonomen der Bundesbank stellen darin fest, dass eine unerwartete starke Eintrübung der wirtschaftlichen Lage diese Verwundbarkeiten offenlegen und Ansteckungseffekte im Finanzsystem einen konjunkturellen Abschwung verstärken könnten. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios habe sich nach Auffassung der Bundesbank erhöht.

Aus Sicht der Bundesbanker seien die Abwärtsrisiken für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland gestiegen. Die geopolitischen Risiken hätten zugenommen und Handelskonflikte könnten gerade die international verflochtene deutsche Wirtschaft empfindlich treffen. Immer noch unklar sei, wie das Vereinigte Königreich die EU verlassen werde. Sollten diese Abwärtsrisiken eintreten, könnten damit einhergehende negative Auswirkungen durch die bestehenden Verwundbarkeiten im Finanzsystem noch verstärkt werden.

Korrektur bei den Vermögenspreisen

Sehr spannend ist jedenfalls, was die Bundesbanker zu den möglichen Folgen eines scharfen Konjunktureinbruchs schreiben. Ein unerwartet starker Konjunktureinbruch dürfte nach Einschätzung der Bundesbank-Fachleute mit einer erheblichen Korrektur der Vermögenspreise verbunden sein.

Nach Einschätzung der Bundesbank seien die Bewertungen an den Vermögensmärkten weiterhin hoch. Ein starker konjunktureller Abschwung in Deutschland könnte dazu beitragen, dass die Preise für Immobilien, Aktien oder Anleihen fallen. Nach wie vor betonen die Bundesbanker, dass die Preise für Wohnimmobilien in deutschen Städten zwischen 15 und 30 Prozent überbewertet sind.

Ja, liebe Leser, diese Warnung kommt gerade noch zur rechten Zeit. Wir sollten diese sehr, sehr ernst nehmen. Fest steht, dass die Risiken für die weitere konjunkturelle Entwicklung in Deutschland extrem groß sind. Gleichzeitig sind aber die Bewertungen für die diversen Vermögenspreise immer noch nicht wirklich an die aktuelle Risikolage angepasst. Anders formuliert: Uns droht eine massive deflationäre Abwärtsspirale und diese könnte über Jahre hinweg anhalten.

Erschwerend hinzu kommt nämlich, dass die deutschen Banken alles andere als unverwundbar sind und kaum auf einen heftigen Abschwung vorbereitet sind. Sehr interessant ist da, dass die Bundesbank davon ausgeht, dass sich zusätzliche Risiken für die Banken in Deutschland vor allem aus einer Überschätzung des Wertes von Sicherheiten für Immobilienkredite ergeben könnten. Es scheint so, als ob die Verantwortlichen in der Finanzwelt die Risiken immer noch massiv unterschätzen – und das kann gefährlich für uns alle werden.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (Noch keine Bewertungen)
Loading...