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Griechenland-Krise ist noch lange nicht beendet

Die deutsche Kanzlerin war ja jüngst zu Gast in Athen. Der griechische Ministerpräsident, Herr Tsipras, sagte bei dieser Gelegenheit, dass Frau Merkel nun in ein Griechenland komme, dass ein ganz anderes Griechenland sei als das, was sie damals beim letzten Besuch im Jahr 2014 gesehen habe.

Damals sei die Situation der Wirtschaft sehr schlecht gewesen und die griechische Gesellschaft hätte Riesenprobleme gehabt. Er merkte weiter an, dass Griechenland diese Zeit der großen Probleme hinter sich lassen würde. Griechenland habe wieder einen Rhythmus des Wachstums und sei EIGENTLICH ein Vorreiter, wenn es darum ginge, Arbeitsstellen und Wachstum zu schaffen.

Dauermalaise nicht beendet

Wir lassen an der Stelle die Worte von Herrn Tsipras unkommentiert stehen. Spannend ist jedenfalls, dass Ende 2018 ein Team der Deutschen Welle (DW) ebenfalls zu Besuch in Griechenland war. Und zwar nicht bei den obersten Vertretern der Politik, sondern beim gemeinem Volk. Tenor der Reportage war, dass im ganzen Land immer noch Anzeichen des Hungers zu erkennen waren.

Die Journalistin der DW berichtete, dass laut dem Transanational Institute (TNI) mit Sitz in Amsterdam sage und schreibe ein Siebtel der griechischen Kinder unterernährt seien. Für diese Menschen könne nicht einmal jeden zweiten Tag eine Mahlzeit mit Fleisch, Geflügel oder Fisch sichergestellt werden. Diese Quote hätte sich seit dem Beginn der Krise im Jahr 2008 mehr als verdoppelt.

Auf Basis der Studie von TNI können neun Prozent der Kinder in Griechenland nicht einmal wenigstens eine Mahlzeit mit Proteinen genießen. Vor der Krise lag die Quote bei „nur“ vier Prozent. In der Reportage wird auch darüber berichtet, wie verarmte Eltern ihre Kinder in Heimen abgeben, weil sie diese nicht mehr mit den Grundbedürfnisen versorgen könnten.

Banken stehen weiter mit dem Rücken zur Wand

Ja, liebe Leser, die Reportage zeigte sehr deutlich, dass die griechische Krise alles andere als ausgestanden ist. Darüber hinaus schwelt im Hintergrund die Staatsschulden- und Bankenkrise munter weiter. Offenbar interessieren sich Herr Tsipras und Frau Merkel nicht dafür. Fakt ist, dass der griechische Staatsschuldenberg trotz der europäischen Stützungsmaßnahmen auf 335 Milliarden Euro hochgeschnellt ist. Das ist mehr als 180 Prozent des BIP und stellt einen Rekordwert in der Eurozone dar.

Gleichzeitig ist die Bankenkrise weiter existent. Mehr als die Hälfte der ausgereichten Darlehen der griechischen Banken sind als problematisch also ausfallgefährdet anzusehen. Die Aktienkurse der vier Großbanken, Piräus Bank, National Bank of Greece, Eurobank und Alpha Bank sind im Jahr 2018 noch weiter kollabiert. Hier standen epische Kursverluste zwischen 40 und 70 Prozent auf den Tafeln. Es spricht viel dafür, dass die griechische Tragödie auch 2019 und darüber hinaus weitergehen wird.

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