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Japanische Notenbank hält an ultra-lockerer Geldpolitik fest

Liebe Leser,

die Sorge, ja die Angst vor „japanischen Verhältnissen“ treibt viele Ökonomen auch in Europa um. Viele sehen jetzt schon Parallelen zwischen der Entwicklung Nippons und der Eurozone. Tatsache ist, dass die geldpolitisch Verantwortlichen in Japan seit mehr als zwei Jahrzehnten an ihrer ultra-expansiven Geldpolitik festhalten. Mit Nullzinspolitik und dem Kauf von Anleihen und Aktien-ETFs versuchen die Japaner ja die deflationäre Krise zu bekämpfen. Der Erfolg ist bis dato wohlwollend formuliert sehr mäßig.

Konjunkturabkühlung trifft auch Japan

Weltweit schwächt sich ja aktuell die Konjunktur stark ab. Das trifft auch die alternde Export-Nation Japan hart. “Die Exporte haben zuletzt einige Schwächen gezeigt”, so laut Reuters die offizielle Aussage der Bank of Japan in der vergangenen Woche. Die Eintrübung der Weltkonjunktur wirke sich auch auf die japanischen Unternehmen aus.

Tatsache ist, dass allein im Januar 2019 Japans Exporte um gewaltige 8,4 Prozent fielen. Die Exporte ins Reich der Mitte, nach China, fielen gar um mehr als 17 Prozent, was ein überdeutlicher Hinweis auf die Eintrübung der chinesischen Konjunktur ist. Wenig verwunderlich also, dass die japanische Notenbank angesichts der globalen Konjunkturabkühlung an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik unverändert festhält. Die Bank von Japan beließ bei der jüngsten geldpolitischen Sitzung ihr Ziel für den kurzfristigen Zinssatz bei minus 0,1 Prozent. Zugleich bekräftigte sie laut Reuters ihr Versprechen, die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen bei um die null Prozent zu halten.

Ja, liebe Leser, die Parallelen zwischen der Eurozone, Deutschland und Japan sind wahrlich kaum übersehbar. Es wäre fahrlässig, diese auch nur im Ansatz zu unterschätzen. Ein Blick auf die demografische Entwicklung Japans und der Europas genügt insofern fast. Vergreisung, genauer gesagt Schrumpfvergreisung ist jeweils das treffende Schlagwort. Hinzu kommen gravierende Probleme im Bankensektor, die sowohl in Japan als auch in Europa niemals richtig bereinigt worden sind.

Es droht die Japanifizierung der Kapitalmärkte

Andrew Bosomworth, Portfolio-Manager bei Pacific Investment Management Co sieht jedenfalls große Parallelen zwischen Japan und Europa. “Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich das, was vor zwei Jahrzehnten in Japan geschah, derzeit im Euroraum entwickelt”, sagte er jüngst gegenüber der Tageszeitung „Welt. Wahrscheinlich bedeute dies die Japanifizierung der Kapitalmärkte – niedrigere Renditen für einen längeren Zeitraum.

Vielleicht für immer. Anders formuliert, weit und breit ist eine Zinswende nicht in Sicht. Die Notenbanken werden noch über Jahre, ja Jahrzehnte damit beschäftigt sein, gegen hartnäckig anhaltende deflationäre Tendenzen anzukämpfen. Und am Ende wird der Erfolg – wie in den letzten 20 Jahren in Japan – bestenfalls sehr, sehr mäßig sein.

Herzlichst Ihr
Günter Hannich

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