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Krisenland Italien größeres Risiko als der Brexit

In der vergangenen Woche senkte die italienische Regierung ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2019. Der aktuellen Prognose zufolge erwarten die Verantwortlichen in Rom nur noch ein Mini-Wachstum in Höhe 0,2 Prozent. Zuvor lag die Prognose ja bei immerhin einem Prozent BIP-Wachstum. Gleichzeitig erhöhte die Regierung die Prognose für das Haushaltsdefizit von 2,04 auf 2,4 Prozent.

Dauermalaise nicht beendet

Unter dem Strich geht also das Siechtum der italienischen Volkswirtschaft auch 2019 munter weiter. Für die Bürger des Landes ist das Ganze alles andere als befriedigend. Noch immer ist die Arbeitslosigkeit exorbitant hoch. Allen voran die jungen Menschen leiden nach wie vor unter Massenarbeitslosigkeit. Im Februar 2019 lag die Jugendarbeitslosigkeit im Krisenland bei fast 33 Prozent.

Viele Zeitgenossen sprechen mit Blick auf die jungen Italiener von einer „verlorenen Generation“. Machen wir uns nichts vor: Bei einem derart geringen Wachstum wird sich für die jungen Menschen auch in diesem Jahr kaum was verbessern. Bei der jüngsten EZB-Ratssitzung im fernen Frankfurt war es der Italiener und EZB-Chef Mario Draghi höchstpersönlich, der die Regierung in Rom fast schon flehentlich aufforderte, nun doch endlich mehr für Wachstum und Beschäftigung zu tun.

Schuldenstreit mit Brüssel in Sicht?

Ob der italienische Staat wirklich viel „Anschub“ für Wachstum und Beschäftigung leisten kann, ist äußerst fraglich. Wohl gemerkt, Italien ist ja höchst verschuldet und weist neben Griechenland die zweithöchste Staatsverschuldung aller Euro-Staaten aus. Wir reden hier über 132 Prozent in Relation zum BIP. Laut dem Maastricht-Vertrag sind ja „eigentlich“ nur 60 Prozent erlaubt. Aufgrund der erhöhten Defizitprognose für das Jahr 2019 zeichnet sich ja schon jetzt Streit zwischen Rom und der EU in Brüssel ab.

Erst im Dezember hatte sich Rom nach einem längeren Schlagabtausch mit Brüssel auf 2,04 Prozent Haushaltsdefizit für das Jahr 2019 festgelegt, nachdem die EU-Kommission zuvor ein Defizit 2,4 Prozent als zu hoch abgelehnt hatte. Ob die EU die jetzt avisierten 2,4 Prozent einfach durchwinken wird, bleibt abzuwarten.

JJa, liebe Leser, der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Herr Fratzscher, merkte gebenüber Reuters an, dass Konflikte mit Italien ein viel größeres Risiko für die europäische Wirtschaft darstellen als ein harter Brexit. Besonders beachtlich ist, dass Herr Fratzscher ebenfalls sagte, dass Italien mitten in der dritten Rezession in weniger als zehn Jahren stecken würde. Ein Ende dieser Dauerkrise ist nicht in Sicht.

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