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Verharmlosung: Ex-IWF-Chefvolkswirt hält Staatsschulden für gefahrlos

Der ehemalige Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, Olivier Blanchard, behauptete vor Kurzem in einem Artikel, dass der enorme Zuwachs an Staatsschulden kein Problem wäre, solange der Zins für die Staatsschulden kleiner sei, als der Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Diese These machte er an der Entwicklung der US-Wirtschaft und den US-Zinsen fest. Seit dem Jahr 1950 sei die US-Wirtschaft durchschnittlich um 6,3 Prozent jährlich gewachsen, während der Durchschnittszins gerade bei 3,8 Prozent gelegen habe. Deshalb seien die gewaltigen Schulden der USA in Höhe von derzeit schon 21 Billionen Dollar kein Problem und könnten damit noch weiter wachsen.

Das halte ich jedoch für eine Milchmädchenrechnung, da davon ausgegangen wird, dass sich die Entwicklungen der Vergangenheit immer weiter in die Zukunft fortschreiben lassen. Blanchard berücksichtigt bei seinen Überlegungen weder die Eigenheiten des Finanzsystems, noch die Tatsache, dass ein ausreichendes, reales Wirtschaftswachstum bei zunehmender Marktsättigung immer schwerer zu erreichen ist.

Heute hat nahezu jeder Haushalt alle für ihn relevanten Wirtschaftsgüter, vom Kühlschrank über den Computer bis zum Smartphone und Auto – oft sogar mehrfach. Es gibt schlicht kaum noch einen Bedarf für noch mehr Produkte. Ganz anders noch in der Nachkriegszeit der 1950er bis in die 1970er Jahre, wo ein enormer Bedarf nach Gütern aller Art vorhanden war und deshalb die Wirtschaft kräftig wachsen konnte. Auch das Ausweichen auf Dienstleistungen ändert nicht viel, da auch hier das Wachstum schlicht begrenzt ist.

Wenn die Zinsen steigen bricht das Schuldensystem zusammen

Nur wegen der derzeitigen Niedrigzinsen können die gewaltigen Schulden überhaupt noch getragen werden. Wenn jedoch bei einer erneuten Finanzkrise die Zinsen ebenso schnell wie massiv steigen und zusätzlich das Wachstum drastisch einbricht, dann sind diese Schulden schlicht nicht mehr tragbar und es droht der Staatsbankrott. Und zwar nicht nur bei uns, sondern bei einer Vielzahl von Staaten rund um den Globus.

In der Geschichte hat ausnahmslos jede steigende Staatsverschuldung zum Zusammenbruch geführt, egal ob in der Französischen Revolution oder der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre und zuletzt in der Finanzkrise 2008. Daran hat sich bis heute nichts geändert, nur dass die Schulden noch nie so gewaltig waren wie derzeit und entsprechend der Crash noch viel stärker ausfallen wird, als jemals zuvor.

Weil dieser kommende Crash mit massiv steigenden Zinsen einhergehen wird, da die Unsicherheit dann als Risikozuschlag in den Zins eingepreist wird, ist eine breite Streuung des Vermögens sehr wichtig. Dabei sollte nur ein kleiner Teil des Vermögens überhaupt noch in Anleihen angelegt werden.

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