Produkt Logo

Zinswende in Europa fällt bis auf weiteres aus

Noch im Herbst 2018 war es Mario Draghi, der öffentlich von der robusten konjunkturellen Lage im Euroraum sprach. Der Aufschwung sei stabil und nachhaltig, so die Aussage des Italieners damals. Wie schnell sich die Zeiten selbst bei führenden Zentralbankern doch ändern können!

Konjunktur hat sich eingetrübt

Herr Draghi wirkte am vergangenen Donnerstag vergleichsweise kleinlaut, als er öffentlich konzedieren musste, dass die jüngst veröffentlichten harten Daten zur konjunkturellen Lage deutlich schlechter als erwartet ausgefallen seien. Er merkte in dem Kontext an, dass die andauernden Unsicherheiten, insbesondere in Bezug auf geopolitische Faktoren und die Bedrohung durch den Protektionismus, auf dem Wirtschaftsklima lasten würden.

Sehr interessant auch, dass die EZB nun ihre Einschätzung zur weiteren Entwicklung verändert hat. Bisher war man ja der Ansicht, dass sich bei den Perspektiven für das wirtschaftliche Wachstum Gefahren und Chancen weitgehend die Waage halten. Das sei nun nicht mehr so. Mittlerweile würden aber die Gefahren nach Ansicht aller Mitglieder des Entscheidungsgremiums der EZB überwiegen. Das ist schon ein Wort!

Keine Zinswende in Sicht

Es ist also nahezu sicher, dass unter der Amtszeit von Herrn Draghi an der Spitze der EZB keine Zinswende mehr stattfinden wird. Seit dem März 2016 liegt der Leitzins der Euro-Notenbank ja bei NULL. Offiziell heißt es  ja von Seiten der EZB, dass zumindest bis zum Sommer 2019 keine Erhöhung ansteht. Mit der konjunkturellen Verschlechterung dürfte diese Wende noch weiter in die Zukunft vertagt werden.

Herr Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank, wertete laut Reuters Draghis Äußerungen als “Sargnagel für eine frühe Zinserhöhung.“ Seine Botschaft sei, dass es 2019 nichts mit der Zinswende werde, wenn sich die Wirtschaft nicht bald erhole. Herr Gitzel, der Chefvolkswirt der VP Bank mit Sitz in Vaduz, ergänzte, dass die EZB neuerliche geldpolitische Lockerungen lancieren könnte, falls sich die konjunkturelle Lage weiter eintrüben würde.

Ja, liebe Leser, eine wirkliche Zinswende ist weit und breit nicht in Sicht. Auch für den Fall einer raschen wirtschaftlichen Erholung wird die EZB von der Niedrigzinspolitik nicht wirklich Abstand nehmen. Im Gegenteil, Francois Villeroy de Galhau, der Chef der französischen Notenbank, merkte am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos an, dass die EZB ihre Niedrigzinspolitik auf absehbare Zeit weiter betreiben werde.

Wörtlich sagte er gegenüber dem französischen Fernsehsender France 2: „Wir stehen weiter dazu, die Zinsen sehr niedrig zu halten, denn das ist gut für die Wirtschaft.“ Als Fazit bleibt festzuhalten, dass eine wirkliche Zinswende mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit nicht stattfinden wird. Bis auf weiteres.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (Noch keine Bewertungen)
Loading...